Neues & Gedanken

 

Nummer 3

Wie oft ging es schon durch die Täler der Depression? Mit zunehmenden Alter mögen sie flacher, aber im Denken auch konsequenter werden. Die Angst vorm Ende schwindet mitunter und in Momenten zumindest war es bereits willkommen geheißen. Ein Wandeln in Ödnis und Leere, in der die Kraft nur noch zum Vegetieren und Aufrechterhalten vitaler Funktionen reicht und der letztendliche Rückzug von allem nur durch den Gedanken verhindert wird, keine weiteren Traumata zu schaffen bei jenen, die durch einen selbst bedingungslos geliebt werden. Der Rest jedoch, das eigene Leben, der Sinn und Inhalt, wofür ein Mensch geschaffen und veranlagt ist, verschwindet im Dunkel und wird so farblos wie die Menschen, die vorbeihetzen und einen nicht mit ihren vordergründigen Boshaftigkeiten, hinter denen sie die tiefgründige Verletzungen nicht bemerken, behelligen mögen. Und plötzlich stößt in diese alltägliche Bitternis die unerwartete Aufmerksamkeit eines Menschen, die vielleicht gerade mit den Jahren als umso wahrhaftiger empfunden wird, wenn sie bis dahin selten im eigenen Leben stattgefunden hat oder abrupt beendet worden ist. Mag in dieser Zeit das Hinausgehen noch immer schwer fallen, bleibt doch die Erfahrung, dass auch im späteren Dasein noch, oder noch immer, oder auch wieder inhaltsreiche Zuwendung möglich ist und eine Tiefe, die das Wesentliche wiedergibt - eine Nähe, die manchmal sogar noch mehr ersehnt. Es sind behutsame Momente des Glücks, die sich im besten Falle bis ins noch höhere Alter tragen und das Leben dann doch wieder als wertvoll erscheinen lassen. Eben wegen dieser Augenblicke. Alles andere ist und bleibt Gedöns… „Frühling im Herbst“ - von Katharina so wunderschön sanft gesungen, wie sich das Gefühl einst regte - ist einer meiner zehn Favoriten unter den zehn Titeln auf unserem neuen Album.  

 

Back to top