Einen sehr intensiven, aber auch schönen Nachmittag habe ich gestern erleben dürfen, als ich Passagen aus meinen Büchern bei einem Treffen ehemaliger Patienten in der Tagesrehabilitation Premnitz und einige Songs aus dem Programm der "Geschichtenerzähler" vortrug. In der Tagesklinik werden Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen,mit Suchtproblemen, vor allem Alkohol-, Medikamenten- und Cannabisabhängigkeit behandelt. Eine Zeitlang habe auch ich in dieser Einrichtung gearbeitet, wobei mir Mitarbeiter und Patienten sehr ans Herz gewachsen sind.
Es berührte mich selbst tief, vor Menschen mit den gleichen Problemen, wie ich sie hatte, vor ehemaligen Kollegen und auch Freunden zu spielen, genauso wie es mich berührte zu erfahren, dass die Geschichten aus meinen Buch "Die Begegnung mit dem Geschichtenerzähler" immer noch fester Bestandteil der dortigen therapeutischen Arbeit sind.
Ein wenig Sorge hatte ich im Vorfeld, ging es mir doch bei vergangenen Lesungen nicht so gut. Aber ich musste feststellen, dass mir die Sätze, die mein Leben beschreiben, nicht mehr die Kehle abschnüren. Die Veranstaltung war bei den meisten Anwesenden von gegenseitiger Wertschätzung geprägt, eine Atmosphäre, die ich mittlerweile brauche, wie die Luft zum Atmen. Möglicherweise bin ich dabei, meine eigene Geschichte ein Stück weit zu akzeptieren. Wenn dies der Schlüssel in ein freieres Leben ist, dann erzähle ich gerne von mir...
Instrumental und stimmlich begleitet wurde ich gestern von Daniel Perlick, der ähnlich lange wie ich in unterschiedlichen Bereichen musikalisch unterwegs war. Die Begegnung mit ihm währt nun schon einige Wochen und ist für mich eine sehr interessante. Seltsam viele gemeinsame Eckpunkte finden sich in unseren Biographien. Wenn ich ihm zuhöre, glaube ich, meiner eigenen Vergangenheit zu begegnen. Erschreckend, faszinierend, hoffnungsvoll.
Der Blick zurück ist wichtig, nur müssen wir wohl die Bilder, die wir dabei sehen, letztendlich mit uns selbst ausmachen. Sie dürfen uns dennoch nicht an der Zukunft hindern, an der Sicht nach vorn, an dem, was vielleicht gemeinsam möglich ist. Ich bin zwar müde, aber mit einem guten Gefühl nach Hause gefahren. Lass uns zusammen ein Stück Weg gehen...
Euch ein schönes Wochenende
Video "Wenn ich ganz für mich bin..." aus der Tagesrehabilitation Premnitz