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Tagebuch
Zum Gedenken an Sven Beuter
Samstag, den 18. Februar 2012 um 17:41 Uhr

Am vergangenen Mittwoch jährte sich der Tag zum sechzehnten Mal, an dem Sven Beuter umgebracht wurde. Ich will an dieser Stelle die im Internet kursierenden, blutigen Beschreibungen nicht bemühen, nicht die bildhaften Darstellungen des Überfalls auf ihn weitergeben, seinen mehrtägigen Todeskampf im Krankenhaus nicht erläutern. Eine Weile lang war es für mich fraglich gewesen, ob ich an einer Gedenkveranstaltung teilnehme. Eigentlich mache ich mir meine Gedanken für mich selbst, brauche Ruhe, wenn ich über den Tod nachdenke. Ich gedenke lieber in mir, in stiller Umgebung, auch um auszuloten, wie es mir mit verschiedenen Dingen geht, so auch mit dem brutalen Mord an Sven. Ich bin ein Gefühlsmensch, aber auch einer, der seine Emotionen nicht gerne zeigt. Die Gedenkveranstaltung war Anlass, mich mit einem alten Weggefährten zu beschäftigen, viel intensiver, als in all den Jahren nach seinem Tod, in denen Sven Beuter für mich nur noch ein Name war, der mit einem Verbrechen im Zusammenhang stand.

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Weitermachen!
Montag, den 14. November 2011 um 14:07 Uhr

Hallo Freunde.

Da geht es weiter, das Veranstalter- und Musikersterben. Alleine in meinem Umfeld gibt es einige Vertreter beider Kategorien, die private Insolvenz anmelden müssen. Menschen, die dieses Genre mit Herzblut lebten und leben, aus Liebe zur Musik. Waren sie "zu blöd" zum Wirtschaften? Waren sie zu weich für den liberalisierten Markt? Oder waren es eben einfach andere Institutionen und die unmenschlichen Verhältnisse der zweifelhaft vorherrschenden Werte, die sie fast in die Knie zwangen.

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Größe zeigt sich beim Verlieren
Donnerstag, den 23. Juni 2011 um 09:22 Uhr

beim Eingestehen von Schwäche, beim Erkennen von Grenzen. So oder so ähnlich liegt mir noch ein Song in den Ohren. Zur Größe gehört sicher auch, sich Niederlagen einzugestehen, einen Punkt zu erkennen, an dem es so nicht weitergeht, an dem der Kurs korrigiert werden muss. Lange Zeit habe ich mich mit dem Gedanken geschlagen, dieses Mal vielleicht zu schweigen, nichts der Öffentlichkeit preis zu geben, nichts von meinem Seelenleben in die Welt hinauszuposaunen. Aber irgendwie ist das seit eh und je mein Markenzeichen, zumindest, wenn es sich um den schriftlichen Ausdruck meiner Gedanken und Gefühle handelt. Ich konnte die Situation um Puls-T nicht ewig ausblenden. Seit jeher bin ich für klare Verhältnisse, fernab von Spekulationen und Könntesein-Müssenwirmalsehen-Phrasen, bin für Entscheidungen, auch wenn sie sehr weh tun. Zu viele Menschen haben an Puls-T gearbeitet, denen ich Ehrlichkeit schulde. Es wurde zu viel Zeit, Geld und Kraft investiert, um eine Erklärung außen vor zu lassen. Was kann also passieren? Was können klare Worte anrichten? Es könnte Veränderungen geben. Es könnte Tränen geben, Emotionen, die ihre Berechtigung haben. Es könnte Verärgerung geben, ja sogar Wut. Es könnten Beziehungen zerbrechen und leider ist auch genau das geschehen. Es könnte Trennungen geben, aber es könnte auch Abstand von Dingen entstehen, die mir nicht gut tun. Letzteres sehe ich dann eher positiv, wobei ich mit Trennungen immer meine Probleme hatte und habe. 

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"Aufräumen ist wichtig!"
Dienstag, den 17. Mai 2011 um 00:00 Uhr

sagte einst schon meine Mutter. Sie tat es ständig, besonders, wenn ich in meiner Unordnung, vor allem in der meines Zimmerchens, zu versinken drohte. Der ewige Klang ihrer Stimme, der sich in meinen Ohren nicht unbedingt zu angenehmen, gar lieblichen Singsang entwickelte, wurde zur nervenaufreibenden Dauerbelastung, an die ich mich aber gewöhnte, wie an mein Leben unter der Einflugschneise der Kampfhubschrauber der Nationalen Volksarmee. Die Drehflügler hörte ich irgendwann auch nicht mehr und die waren weitaus intensiver zu vernehmen, als meine gute Mutter. Ich fand schon als Lausbub, dass es wichtigere Dinge geben würde, als ein aufgeräumtes Zimmer. In den ersten Jahren wäre das Zuwendung, Akzeptanz und Empathie gewesen, in späterer Zeit dann gab ich Zigaretten, Alkohol, Fußball und, na klar, Musik den Vorzug. Ordnung? Wozu? Es lebte sich und ich schlug mich durch. Nein, ich schiss da eher drauf, was Mutter zu verkünden hatte und lebte mit Vorliebe mein Chaos. Jeder Versuch von einem geordneten Leben schlug nach kurzer Zeit schon wieder fehl. So ganz unrecht hatte die Dame dann aber wohl doch nicht, denn unsere Welt ist nunmal irgendwie geordnet, auch wenn sie hin und wieder recht unordentlich erscheinen mag und ich ihr ganz gerne eine andere Ordnung geben würde. 

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Es wird Zeit!
Donnerstag, den 17. März 2011 um 11:55 Uhr

Ich möchte diese Bilder nicht mehr sehen, die des Leides dieser armen Menschen, die nicht zur Ruhe kommen, will mich einfach nicht äußern zum medialen Großereignis, wobei eine kritische Berichterstattung dieses Mal unumgänglich scheint.Und doch machen diese Bilder etwas mit mir, wenn ich sehe, wie diese Menschen gezeichnet sind, gebeutelt von natürlichen Katastrophen, gegen die wir nichts tun können, jetzt bedroht von einer weitaus gefährlicheren, die wir hätten verhindern können... 

 
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Vater werden...
Sonntag, den 06. Februar 2011 um 11:49 Uhr

So eine CD-Veröffentlichung ist für mich jedes Mal wie die Geburt eines Kindes. Im Gefühlswechselbad, zwischen unbändiger Freude und purer Verzweiflung, zwischen Hochgefühlen und völligem Ausgebrannt sein. Nee, schön ist das nicht. Was macht mich denn so fertig? Das kann doch nicht der reine Arbeitsprozess sein. Klar, hier und dort fehlt Geld, da noch ne Grafik und dann noch einmal das endgültige Okay zu den Masterbandern. Aber dann? Dann wird der ganze Kram nur noch nach Hannover geschickt, dann habe ich nichts mehr in der Hand. Dann ist es genau das! Vielleicht komme ich ja damit nicht klar. Seit vier Jahren weiß ich, dass Thoralf und ich schwanger sind, über die Zeit kamen da sogar noch einige Verrückte dazu. Es war von Anfang an klar: Es wird ein Kind geben. Der Ultraschall ist gemacht, wir wissen sogar, ob es ein Junge oder Mädchen wird... Aber wie verläuft die Geburt? Ich meine nicht die Zeit des Brütens, die war anstrengend genug, sondern eben jene Niederkunft, der Moment, in dem man sagt: Hier ist dieser neue Erdenbürger. Wird er ohne Behinderungen wachsen und sich entfalten können? Wird er letztendlich Freunde finden? Und selbst wenn nicht: Ich liebe dieses Kind, denn es ist meines... Ganz normale Vatersorgen, oder? Warum tue ich mir das bloß immer wieder an? Na, weil ich so verdammt gerne Vater werde... 

 
Brotlose Kunst?
Freitag, den 31. Dezember 2010 um 11:47 Uhr

Das Jahr geht zur Neige, das kalendarische wie mein persönliches, was ich, manchmal bewusst, manchmal in der Tiefe meines Hirns, immer wieder zum Anlass nehme, Vergangenes Revue passieren zu lassen und auf das wohl Kommende zu blicken. Das Jahr begann nicht gut: Krankheit, Schwäche und gelegentliche Zweifel zogen sich bis tief in die zweite Jahreshälfte hinein. Leben mit der Krankheit heißt auch, ein Leben akzeptieren zu müssen, das ich eigentlich nicht leben will. Nur partiell gelingen mir Ausflüge in die Freude, in Entspannung, in Momente tiefer Fühlbarkeit meines Ichs. Wahrscheinlich habe ich nun andere Süchte zu bedienen, seitdem ich den stoffgebundenen weitgehend abgeschworen habe. Wie sonst ließe sich erklären, dass ich wirklich erst einen Tag vor unserer Premiere mit Puls-T aus dem Zustand des bloßen Funktionierens erwacht  bin und endlich wieder einmal Gefühle zulassen konnte? Wo kamen meine Tränen nach dem Auftritt her und wo das Hochgefühl, das über Tage anhielt? Ich lebte wahrhaftig, auch wenn nur für Momente, bevor die Geißeln meiner Sozialisation mich so kurz vor Jahresabschluss wieder lähmen. So möchte ich nicht ins neue Jahr gehen! Ich will etwas von dieser entfesselten Kraft mitnehmen hinüber, in eine hoffentlich lebenswertere Zeit. Eine innere Stimme sagt mir, dass ich kämpfen müsse, möglicherweise jeden Tag. Ein seltenes Gefühl von Selbstschätzung hält mich ergriffen und ich möchte ein Stück davon bewahren und in die Tage hineinretten, in denen ich mir weniger wert bin. 

 
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Eine unvergessliche Nacht...
Donnerstag, den 09. Dezember 2010 um 11:42 Uhr

Ich weiß noch immer nicht, ob es jetzt an der Zeit ist, etwas über meine Eindrücke des ersten Puls-T Konzertes zu schreiben. Fast zwei Wochen lang habe ich nicht einmal versucht, Erlebtes in Worte zu kleiden, was mir so bisher selten, vielleicht sogar noch nie, geschehen ist. Ich versuche, hier mal einige meiner Gedanken wiederzugeben, die immer wieder neue Gefühlswallungen auslösen. Mitten in den Vorbereitungen des Konzertes ereilte mich eine bekannte Größe. Ein paar Wochen vor dem Konzert kam der Einbruch. Selbstzweifel, finanzielle Nöte,  extreme Spannungssituationen ließen mich auf Notbetrieb schalten. Wieder einmal meldeten sich Krankheit und Schwäche.

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Einheit
Donnerstag, den 30. September 2010 um 11:28 Uhr

Am Sonntag jährt sie sich nun zum zwanzigsten Male, die deutsche Nachkriegseinheit. Auch und gerade in dieser Zeit mache ich mir Gedanken, ziehe persönliche Bilanz und bin letztendlich froh, dass sie da ist, auch wenn die Rahmenbedingungen nachgebessert werden könnten. Sie ermöglicht mir endlich eine freie Entfaltung meines Geistes, gibt mir Gelegenheit, mit eigenem Programm aufzutreten und Bücher veröffentlichen zu dürfen. Ich denke daran, endlich meinen fast fertigen Roman, der von Ereignissen vor und in der Wendezeit handelt, zu beenden und erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, dass mir bei kritischen Meinungsäußerungen mit physischer Gewalt begegnet wurde.  

 
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Wir sind schwanger
Donnerstag, den 02. September 2010 um 11:25 Uhr

Mein Gott, was sitzen wir in den letzten Tagen zusammen, zwischen fast wahnsinnigen Gedankensprüngen, in denen wir uns beflügeln, manchmal etwas durchhängen und dann wieder neu starten. In allen Bereichen wird intensiv gearbeitet, unterstützt von Freunden und Partnern, entbehrt von unseren Familien. Zu nachtschlafender Zeit bekommt Jürgen Block die letzten Takes im Lütter Studio auf den Rechner geschaufelt, dann fehlen plötzlich einige Gesangspuren und mal eben muss ein Konzert organisiert werden. Mitten in diesen Stress platzt Görans Vergleich mit einer Schwangerschaft. Und er hat so verdammt recht! Wir bereiten uns auf eine Geburt vor: 

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Ich twitter Euch was...
Donnerstag, den 19. August 2010 um 11:18 Uhr

Na, dann werde ich mal twittern. Ich machen das so selten, weil: Was interessiert die Welt, was ich hier so zu twittern haben? Web 2.0 sei Dank erscheint dieser Erguss ja ohnehin in so vielen Netzwerken, dass auch wirklich jede Facette der Internetsucht bedient wird. Zugegeben, ich bin  ja nicht frei davon. Oft weiß ich schon gar nicht mehr, wo ich überall angemeldet bin. Das wird mir dann hin und wieder mal klar, wenn mehr oder weniger wichtige Newsletter meine Mailprogramme füllen. Wirkliche Freunde oder auch Band- und Veranstalterkontakte halten sich in Grenzen. Warum spielt nur niemand mit mir???

 
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