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"Aufräumen ist wichtig!"
Dienstag, den 17. Mai 2011 um 00:00 Uhr

sagte einst schon meine Mutter. Sie tat es ständig, besonders, wenn ich in meiner Unordnung, vor allem in der meines Zimmerchens, zu versinken drohte. Der ewige Klang ihrer Stimme, der sich in meinen Ohren nicht unbedingt zu angenehmen, gar lieblichen Singsang entwickelte, wurde zur nervenaufreibenden Dauerbelastung, an die ich mich aber gewöhnte, wie an mein Leben unter der Einflugschneise der Kampfhubschrauber der Nationalen Volksarmee. Die Drehflügler hörte ich irgendwann auch nicht mehr und die waren weitaus intensiver zu vernehmen, als meine gute Mutter. Ich fand schon als Lausbub, dass es wichtigere Dinge geben würde, als ein aufgeräumtes Zimmer. In den ersten Jahren wäre das Zuwendung, Akzeptanz und Empathie gewesen, in späterer Zeit dann gab ich Zigaretten, Alkohol, Fußball und, na klar, Musik den Vorzug. Ordnung? Wozu? Es lebte sich und ich schlug mich durch. Nein, ich schiss da eher drauf, was Mutter zu verkünden hatte und lebte mit Vorliebe mein Chaos. Jeder Versuch von einem geordneten Leben schlug nach kurzer Zeit schon wieder fehl. So ganz unrecht hatte die Dame dann aber wohl doch nicht, denn unsere Welt ist nunmal irgendwie geordnet, auch wenn sie hin und wieder recht unordentlich erscheinen mag und ich ihr ganz gerne eine andere Ordnung geben würde. 

Was aber, wenn es mit der eigenen Ordnung nicht mehr stimmt? Wenn sich plötzlich so viele Richtungen auftun, die man alle gehen möchte, weil man sich befähigt dazu fühlt? Ist die Welt so chaotisch, weil wir oft unsere eigene, ganz persönliche Richtung nicht mehr finden? Nun bin ich ein Mensch in all seiner Vielfältigkeit und Komplexität, gesegnet mit mehreren Fähigkeiten, beschränkt und gefangen jedoch in meinen Wünschen und Bedürfnissen, die zu erfüllen es zwar erlaubt, Umwege zu nehmen und Kompromisse einzugehen, jedoch bei einem völligem Abdriften Gefahr läuft, die eigene Persönlichkeit nicht mehr wahr zu nehmen, sie geradezu zu verraten. Laut der Psychotherapeutin und Schriftstellerin Alice Miller mache dies auf Dauer krank, laut eigener Erfahrung kann ich das bejahen.
Wenn sich also mein eigentliches Ziel verliert, kann ich nur Entscheidungen treffen, die mich wieder auf den Weg bringen, wenn ich nach Wochen der Muße überprüft habe, ob meine früheren Ziele auch noch meine heutigen sind. Im großen und ganzen sind sie es, Gott sei Dank! Ab und zu ist es also gut, einmal in seinem Oberstübchen aufzuräumen, um das eigene Ziel wieder klarer zu sehen. Vielleicht bin ich ja doch noch nicht zu alt, um etwas ordentlicher zu werden. Die Grande Dame würde es sicher erfreuen zu wissen, dass der Bub seinen Weg gefunden hat. 
Auf ein aufgeräumtes Zimmer und dass es nicht allzu bald wieder vollgekramt sein wird...
 

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