Home Neues Neuer Roman erscheint um die Jahreswende
Neuer Roman erscheint um die Jahreswende
Montag, den 03. Oktober 2011 um 21:30 Uhr

Hallo Freunde.

hier möchte ich Euch schonmal einen neuen Roman ankündigen, der aller Voraussicht nach um die Jahreswende erscheinen wird. Das Buch beschreibt die Erlebnisse eines DDR - Jugendlichen in den späten 1980er Jahren. Sein Leben spielt sich zwischen Plattenbauten, Fußballstadien und Kneipen ab. Zusammen mit seinen Kumpels fährt er regelmäßig zu den Spielen seines Heimatvereins Stahl Brandenburg. Er erlebt Ausschreitungen, erste Liebe und schmerzhafte Verluste. Das Buch balanciert irgendwo zwischen den Erlebnisberichten eines Fanclubs und einer Familien-Saga. Die genaue Einordnung überlasse ich den Kritikern... Anbei findet Ihr schon einmal eine Leseprobe. Demnächst gibt es hier mehr Informationen dazu...



Leseprobe:



Sind die Karten noch da? Todde fummelt an seiner Jacke herum. Er steht in der Schlange am Kassenhäuschen in der Woltersdorfer Straße. Die Eintrittskarten hatte er schon lange vorher besorgt. Heute kommt der amtierende Meister ins Stadion, deswegen kosteten sie ein wenig mehr. Sechzig Pfennige für das Stück musste Todde anstatt der sonst üblichen fünfundvierzig berappen. Etwas Aufregung verspürt er schon vor dem ersten Fußballspiel, das er sich im Stahl-Stadion ansehen will. Er hatte sich die Karten sicherheitshalber schon etliche Tage vor dem Spiel besorgt, weil er befürchtete, vor einem ausverkauften Stadion zu stehen und nicht mehr hineinzukommen. Manchmal ist Todde eben etwas nervös. Sogar zweimal war er in die Stadt gefahren, um Karten zu besorgen. Die ersten beiden, die eigentlich für ihn und seinen Kumpel Krüger gedacht waren, hatte er zwei Mädels aus seiner Klasse geschenkt. Susan und Andrea hatten ihm irgendwann einmal gesagt, dass sie gerne mal zum Fußball gehen würden und er hatte die beiden dann am nächsten Tag mit den Karten überrascht. Die hatten sich richtig gefreut und auch Toddes Herz hat höher geschlagen, hat er doch schon seit einiger Zeit ein Auge auf Susi geworfen... Schön dämlich, denn gestern, als Todde die Mädchen fragte, wo sie sich denn treffen könnten, haben die nur herumgedruckst, bis schließlich heraus gekommen ist, dass sie lieber mit irgendwelchen anderen Kerlen zum Fußball gehen wollten. Das war wieder so eine bittere Lektion in seinem erst dreizehnjährigen Leben. „Dann eben nicht! Sollen die Weiber doch bleiben, wo der Pfeffer wächst!“ denkt Todde. Insgeheim aber hofft er, dass sie ihm im Stadion trotzdem über den Weg laufen werden…

Todde und Krüger suchen sich einen Platz unter dem Sprecherturm, einem Betonhäuschen auf „zwee Beenen“, wie Krüger sagt. Auf dem Sprecherturm gibt es eine Uhr und hinter den verglasten Fenstern zeigen Papptafeln den Spielstand an. Von hier aus haben sie einen guten Überblick über das gesamte Stadion. Mitten hinein in die blauweiße Fankurve, gleich neben ihnen, wagen sie sich noch nicht. Aber sie stehen immerhin schon sehr nah dran. Immer mehr Fahnen werden an dem grünen Eisenzaun befestigt, der die Zuschauerränge vom Innenraum trennt. Bald ist die ganze Südkurve in blaue und weiße Farben getaucht. Mützen und Schals sind zu sehen und selbstgemachte Schärpen mit Aufschriften wie „Stahl Brandenburg“ und „Fanclub Altstadt“ werden in die Höhe gehalten. In der Nordkurve, auf der anderen Seite des Stadions, sind nur wenige weinrote Fahnen zu erkennen. Schon lange vor Spielanpfiff ist Stimmung im Rund, die meiste natürlich im Fanblock. Todde belauscht die Gespräche der um ihn Stehenden: „Scheiße, dass so viele nicht mitspielen können. Den Jeske und den Ringk kannste den Rest der Saison vergessen. Ringk mussten sie am Meniskus operieren. Pahlke und Schulz sollen auch nicht spielen, bin ja mal gespannt, wen der aufstellt...“ und: „Ob wir die Stasi-Ärsche heute schlagen, wat meenste?“ Ein anderer weiß: „Wenn wir hier heut gewinnen und Dresden in Leipzig auch, dann sind die dran! Glaub mir, dieses Jahr werden die nicht Meister!“ Der Angesprochene, ein dicker Mittvierziger mit dunklen Locken und Schnauzbart, gibt ein wenig erbost zurück: „Is mir eijentlich scheißejal wer Meister wird! Wir sind een Punkt vor Chemie und wenn wa nich uffpassen, dann steigen wa gleich wieder ab!“ Ein Knacken ist in der Lautsprecheranlage zu vernehmen und gleich darauf meldet sich eine quakende Stimme. Todde kennt diese Lautsprecher, die überall im Rund hängen. Beim Fahnenappell in seiner Schule werden die gleichen benutzt. Der Stadionsprecher verliest zuerst die Namen der einzelnen Spieler. Dabei gehen die der Gäste aus Berlin in einem lauten Pfeifkonzert unter. Währenddessen betreten die Akteure den Innenraum. Sie haben einen langen Weg von den Umkleidekabinen, müssen erst über den Nebenplatz laufen und kommen nun durch eine Art Käfig, der die Fans der Südkurve von den Sitzplätzen auf der Geraden trennt. Etliche Papierrollen fliegen auf den Platz und Schnipsel durch die Luft. Auch einige Böller sind zu hören. Todde ist begeistert von den Schlachtrufen und den Gesängen. Vor einigen der Fans, die sich am Zaun den Berliner Spielern gegenüber drohend gebärden und dabei wie wild umherspringen, hat er Respekt. Zwei von ihnen haben sich am Zaun hoch gehangelt und brüllen bis zur Heiserkeit: „Scheiß BFC!“ Todde beobachtet alles um sich herum, möchte jedes Detail aufsaugen und bekommt geradeso den Spielanpfiff mit.

„64. Minute, Auswechslung bei unseren Gästen vom BFC Dynamo: Für die Nummer Drei, Norbert Trieloff, kommt jetzt mit der Nummer Sieben, Frank Terletzki.“ Wieder das gellende Pfeifkonzert. Es ist die zweite Auswechslung beim BFC, nachdem kurze Zeit davor Jan Voß für Rainer Ernst eingewechselt worden war. Die meisten Zuschauer freuen sich schon über das torlose Unentschieden gegen die Berliner, als fünf Minuten vor Schluss Terletzki den Ball mit einem langen Einwurf bis in den Strafraum befördert, Pastor ihn per Kopf verlängert und Jan Voß sofort zur Stelle ist, um das Spielgerät ins Netz zu legen. „Scheiße!!!“ schreien einige und wiederum donnert es „Scheiß BFC!!!“ von den Rängen. Gleich darauf aber versuchen die Fans, mit „Stahl Feuer“ die eigene Mannschaft wieder nach vorne zu treiben. Die bäumt sich noch einmal richtig auf, doch der Enthusiasmus wird nicht belohnt. Ein Unentschieden wäre wohl hoch verdient gewesen, vernimmt Todde die Enttäuschung der Umstehenden. Stahl hätte mit einer Verlegenheitself dem Meister ordentlich Paroli geboten. Todde kann das kaum einschätzen, weil er das Drumherum wesentlich mehr wahrgenommen hat, als das Spiel. Als die Mannschaften wieder durch den Käfig gehen, rennen einige der blauweißen Fans auf ihn zu, rütteln wie wild an den Eisenstäben und bespucken die BFC-Spieler. Die heizen die Stimmung noch mehr an, provozieren mit Gesten und bringen die blauweißen Fans vollends zum Ausrasten. Was würde wohl passieren, sollte dieses Eisengitter irgendwann einmal nachgeben? Würden die dann die Spieler verprügeln? Erst ist Todde ein wenig erschreckt, aber dann amüsiert es ihn, dem Treiben zuzusehen. Diese Typen, wie sie so an den Eisenverstrebungen hängen und daran herumspringen, erinnern ihn an die Affen im Tierpark, die auch wie aus heiterem Himmel plötzlich an ihren Gitterstäben rütteln und schreien. Kurz darauf ist auch der letzte Spieler durch den Käfig verschwunden und geht, den anderen hinterher, über den Nebenplatz zu den Kabinen, unerreichbar für die aufgebrachte Meute. Die Situation beruhigt sich ziemlich schnell wieder. Jetzt entdeckt Todde auch Andrea und Susan, die weiter vorne zum Ausgang laufen. Stimmt, denkt er sich, da war ja noch etwas…

 

 

Newsletter




Netzwerke

MySpaceYouTubeYouTube

Termine

Keine aktuellen Veranstaltungen.

Shops

Tonträger  Bücher

Shop

amazon