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Magische Momente
Montag, den 10. Mai 2010 um 09:11 Uhr

Eigentlich wollte ich mit meinen Gefühlen haushalten, wollte nicht mehr so viel preis geben  von dem, was in mir vor sich geht. Erst recht nicht, wenn ich meine sentimentale Schiene befahre. Aber scheiß drauf, ich bin eben ein gefühlsbewohnter Mensch und das darf die Welt auch wissen. In einer Zeit, in der meine Kraft nicht ausreicht, einer „ganz normalen Arbeit“ nachzugehen, in der ich mich mitunter kaum konzentrieren kann, oft mit mir und meiner Seele zu kämpfen habe und mit meinem Dasein hadere, bekam ich von einem Menschen, den ich sehr schätze, ein Buch geliehen. In dem Bildband geht es um Schriftsteller, ihre Arbeitszimmer und in einzelnen Interviewsequenzen auch um die Schreibgewohnheiten. Schon die ersten Seiten machten dieses Buch zu einer Bibel für mich. Wiedererkannt im ewigem Dilemma des Unzufriedenseins, des Schreibenmüssens, des Alleinseisn mit den Gedanken und Emotionen, die nur im Schreiben intensiv erlebt werden, merke ich, dass es auch namhaften Schriftstellern nicht anders geht als mir. Ein Buch über Leidensgenossen, das antreibt, in der eigenen Kreativität weiter voranzuschreiten, entgegen aller inneren und äußeren Widerstände. Muss ich schreiben, um glücklich zu sein? Wie lange hält das dann eigentlich an? Glücklichsein? Was für eine absurde Vorstellung des ewigen Glück, das ja bei den meisten Menschen ohnehin immer außerhalb des eigenen Kreises liegt. Ein Film in ständigen Wiederholungen. Ich habe Träume, aber strebe eben nicht nach Glück. Mein Leben ist Krisenmanagement. Glück ist doch ohnehin nur in kurzen Momenten erlebbar. Diese Momente allerdings möchte ich als „magisch“ bezeichnen, so wie ich dieses Glück eben am Wochenende erlebt habe. Wie bewegt ich davon bin, wird mir erst heute, am darauf folgenden Montag klar. Erst heute wird mir klar, was an den vergangenen zwei Tagen geschehen ist, an denen wir im Proberaum unser Live-Programm vorbereitet haben.

 
Marius Müller-Westernhagen behauptete einmal, er habe die beste Band der Welt. Ich bin niemand, der Bands miteinander im Sinne von „gut“ und „schlecht“ vergleicht und vielleicht wollte der gute Marius ja nur seinen Stolz auf seine Mitmusiker ausdrücken. Gemessen an dem sage ich, dass ich sie nun habe, die Band, die zu mir passt. Die beste der Welt? Keine Ahnung, aber eine verdammt gute ist es schon. Ich mag keine Vorschusslorbeeren, will dem ersten Konzert nichts vorwegnehmen, sondern nur mitteilen, was ich erlebe, als welche Ehre ich es empfinde, mit jedem der einzelnen Musiker arbeiten zu dürfen. Es war viel Magie und eine Menge Gefühl dort in diesen Räumen, in denen wir uns stundenlangem, wohlig entspanntem Arbeiten hingaben. Das erste Mal kam wirkliches Leben in die Songs, das erste Mal lebten sie in Interaktionen mit genialen, gefühlsbetonten Musikern und Sängerinnen. Und ein Stück Leben ergriff dabei auch wieder mich selbst. Den Blick in jedes der einzelnen Gesichter verriet mir, dass dort so viel Leben und Emotionen unterwegs waren, dass es mir fast schon zu viel wurde. Ich muss meine eigenen Befindlichkeiten in diesen Momenten einfach ausblenden, sonst könnte ich mich nie wieder auf eine Bühne stellen, ohne heulen zu müssen. Es sind bewegende Augenblicke, wenn unser jüngster Freund Anton mit seiner Gitarre präzise den Songs ein rundes Klangbild gibt, Reno mich mit seinen neuen Sounds und seinem Einsatz gerade in letzter Zeit nahezu verblüfft, Gunnar hinter dem Schlagzeug Erektionen, bekommt (wobei ich ihm das durchaus abnehme), Thomas seine verrückten Sprünge zwischen äußerst gefühlvollem bis hin zum mörderisch groovenden Bassspiel vollzieht, Anja voller Bescheidenheit eine wunderschöne Gitarre zupft und Jana den Refrain von Manfred Maurenbrechers „Augen“ in den Proberaum schickt, so dass ich dem Liedermacher für diesen Song nur noch danken möchte und es schade finde, dass der wohl als Coverversion aufgrund der Gema-Forderungen es nicht auf das Album schaffen wird. Es ist für mich ein optischer wie akustischer Genuss, Göran wie einen jungen Hirsch über sein Instrumentarium fegen zu sehen, das uns allen ein Buch mit sieben Siegeln ist. Es ist berührend, wenn er hinterher erwähnt, dass er sich sicher ist, ein neues musikalisches Zuhause gefunden zu haben. Wenn ich mir vorstelle, dass Stefanie beim nächsten Mal den Songs weitere markante Punkte setzen wird, kann ich den nächsten Termin kaum noch erwarten. Und wenn dann sogar meinem knarzigen Freund und kongenialen Partner Thoralf, dessen Gefühle ich bis dahin meist nur im Gitarrenspiel erlebt habe, bei einem Titel die Tränen in den Augen stehen, weiß ich, dass wir auf einem verdammt guten Weg sind. Ich danke ihnen allen und freue mich, dass es sie gibt. Es ist toll was Ihr macht und es bereichert mein Leben. Magische Momente sind glückliche Momente... Als ich dann während einer nächtlichen Probepause, die von einigen von uns mit dem Besuch eines Konzertes überbrückt wurde,von alten Freunden und Bekannten nach Fauxpas gefragt wurde, sie mir erzählten, was diese Band ihnen bedeutet hat, dann sagte ich ihnen, dass ich mich auch jetzt noch gerne an diese Zeit erinnere, ich auch vieles vermisse, vor allem den Spaß und die positiven Dinge, die in meinem Gedächtnis geblieben sind. Aber ich sage meinen Freunden auch, dass sie sich nun auf Puls T freuen können, das mir mittlerweile eine ähnliche Heimat geworden ist, wie einst Fauxpas...
 

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