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Haus der Offiziere
Dienstag, den 18. Mai 2010 um 10:12 Uhr

Hier und dort gibt es in diesen Tagen Diskussionen, ob man einem der letzten Jugend- und Veranstaltungshäuser meiner Heimatstadt mit eher alternativem Charakter den Hahn zudrehen sollte. Argumente sind beispielsweise, dass einem „politisch eher links“ stehendem Haus Fördermittel aus Steuereinnahmen nicht zustehen würden.  Richtungsangaben wie „links“ und „rechts“ sagen für mich immer noch nichts über Wertigkeiten und Standpunkte aus. Ich finde es eher gefährlich, einen Menschen nicht mit seinen individuellen Bedürfnissen, sondern in Gruppen zusammengefasst zu sehen, wie eben „ALG II-Empfänger“, „Nazis“, „Linke“ oder „Jukufa“, denn eigentlich ist es doch egal, in welche Schublade wir unsere „menschlichen Mängel“ tun. Mal Hand auf‘s Herz, was bewegt denn eigentlich jeden einzelnen hier wirklich? Ist es nicht oft ein wenig Neid, der uns leitet, destruktiv zu wirken? Wobei Neid durchaus auch ein Motor sein kann, wenn man sich dessen erst einmal bewusst ist... 

 
 
Ich habe einst mit Fauxpas lange Zeit versucht, Eintrittsgelder gering zu halten. Das ging aber nur, weil wir hin und wieder mal am System vorbei getrickst haben, ansonsten diese Veranstaltungen überhaupt nicht möglich gewesen wären. Ist es wirklich so unvorstellbar, dass es auch anders gehen könnte? Meistens  kommen dann „meine Steuergelder“ in Spiel. Wenn ich das schon höre... Neben mir stand an der Würstchenbude einst ein Brandenburger Kleinveranstalter, der sich darüber aufregte, dass das HdO von „seinen Steuergeldern“ die Knastmauer besprühen ließ. Der gleiche Veranstalter war allerdings von „meinen Steuergeldern“ eine Zeitlang im Knast... 
 
Für mich funktioniert unser System schon lange nicht mehr, weil eben die Selbstreflexion fehlt. Die Kollegen, die grenzenlose Freiheit für sich beanspruchen, dabei aber Milliarden in den Sand setzen, nehmen dann liebend gerne Steuergelder für die Reparationen in Anspruch. Allerdings kann da dann nicht von Gesundung die Rede sein, sondern eher von Steigerung des Wahnsinns. Wir alle leben von Steuergeldern, der eine mehr, der andere weniger. Was ist daran so schlecht, dass die so genannten Schwachen gestützt werden? Und ist es wirklich Schwäche, wenn sich die Stärke nicht in Rendite messen lässt? Ich meine, den Spagat zwischen unserem menschenfeindlichen System und Veranstaltungen auch für diejenigen, die es nicht so fett haben, hat das HdO ganz gut hinbekommen. Dafür wurde in diesem Haus gearbeitet. Wie viel Salär sich die Mitarbeiter dabei einstreichen ist für mich völlig unerheblich. Da gibt es ganz andere, die sich von den Leistungen anderer die Taschen voll machen und denen es nicht einmal bewusst ist. Auf Verallgemeinerungen irgendwelcher Berufsgruppen verzichte ich an dieser Stelle mal...
 
Mir ist es ehrlich gesagt völlig egal, ob das HdO nun 180 000 oder ne Million Euro Steuergelder einstreicht, solange gleichzeitig Steuergelder dafür ausgegeben werden, die Gefräßigen in unserer ach so schönen Welt weiterhin zu übersättigen, denen eben keine Konsequenzen ihres asozialen Fehlverhaltens drohen. Solange Steuergelder dafür eingesetzt werden, an diesem zweifelhaften System festzuhalten, Kriege zu führen und marode Banken zu „retten“, bin ich ehrlich gesagt froh, dass die 180 000 Euro für ein Stück Alternative noch abfallen. Ich kann mir gut vorstellen, dass selbst der örtliche kleine neoliberale Veranstalter doch ordentlich das Kotzen bekommt, wenn er sieht, wie anderswo in großem Stile Kasse gemacht wird, wofür er selbst sich ganz schön drehen und teilweise trotzdem ums Überleben kämpfen muss. Die Ursache dafür liegt aber meist nicht an seinem direkten Konkurrenten vor Ort, sondern eher an denjenigen, die den Hals nicht voll bekommen und sich einen Dreck um ihre Nachbarn scheren. Globale Abzocker, die verantwortungslos mit dem Kapital umgehen. Aber wäre es, anstatt sich hier gegenseitig fertigzumachen, nicht die Zeit gekommen, ein wenig Verständnis zu entwickeln für die Nöte derer, die sich im unteren finanziellen Level befinden? Wäre es nicht an der Zeit, den wirklichen Übeltätern den Finger zu zeigen? Ich bin immer noch der Meinung, dass man nebeneinander existieren kann, dass viele Bedürfnisse befriedigt werden könnten, solange es eben nicht darum geht, den anderen platt zu machen. Leben und leben lassen. Was ist daran so schwer? Das eigene Dilemma ist sicher immer das schwerwiegendste, trotzdem denke ich, dass es eben wichtig ist, die Nöte anderer zu sehen und Lösungen zu finden, im Idealfall sogar gemeinsam. Ich meine, dass dies in dieser reichen Gesellschaft mit etwas Verständnis durchaus möglich ist. Vielleicht ist es auch mal ganz hilfreich, sich in ärmeren Ländern zu orientieren, zu sehen, wie dort Kultur gelebt und nicht nur konsumiert wird. Kultur ist eben nicht in jedem Falle finanziell rentabel. Wollen wir trotzdem darauf verzichten? Kultur spricht mitunter Emotionen an, kann Gedanken fördern und Werte vermitteln. Und die sind eben nicht immer mit Geld aufzuwiegen. Vielleicht sollten wir lernen, die Kultur an sich wieder zu schätzen. ihr die Wertigkeit zu geben, die sie hat. Kultur ist unsere Chance...
 
Bild: www.jukufa.de
 
 

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