| Größe zeigt sich beim Verlieren |
| Donnerstag, den 23. Juni 2011 um 09:22 Uhr |
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beim Eingestehen von Schwäche, beim Erkennen von Grenzen. So oder so ähnlich liegt mir noch ein Song in den Ohren. Zur Größe gehört sicher auch, sich Niederlagen einzugestehen, einen Punkt zu erkennen, an dem es so nicht weitergeht, an dem der Kurs korrigiert werden muss. Lange Zeit habe ich mich mit dem Gedanken geschlagen, dieses Mal vielleicht zu schweigen, nichts der Öffentlichkeit preis zu geben, nichts von meinem Seelenleben in die Welt hinauszuposaunen. Aber irgendwie ist das seit eh und je mein Markenzeichen, zumindest, wenn es sich um den schriftlichen Ausdruck meiner Gedanken und Gefühle handelt. Ich konnte die Situation um Puls-T nicht ewig ausblenden. Seit jeher bin ich für klare Verhältnisse, fernab von Spekulationen und Könntesein-Müssenwirmalsehen-Phrasen, bin für Entscheidungen, auch wenn sie sehr weh tun. Zu viele Menschen haben an Puls-T gearbeitet, denen ich Ehrlichkeit schulde. Es wurde zu viel Zeit, Geld und Kraft investiert, um eine Erklärung außen vor zu lassen. Was kann also passieren? Was können klare Worte anrichten? Es könnte Veränderungen geben. Es könnte Tränen geben, Emotionen, die ihre Berechtigung haben. Es könnte Verärgerung geben, ja sogar Wut. Es könnten Beziehungen zerbrechen und leider ist auch genau das geschehen. Es könnte Trennungen geben, aber es könnte auch Abstand von Dingen entstehen, die mir nicht gut tun. Letzteres sehe ich dann eher positiv, wobei ich mit Trennungen immer meine Probleme hatte und habe.
Musik stand bei mir immer für persönlichen Ausdruck, fernab geschäftlicher Aspekte. Zehn Musiker mit entsprechenden Aufwand auf die Bühne zu bekommen ist aber letztendlich doch ein Geschäft, das ich so nicht mehr bewältigen konnte, mit dem ich schlichtweg überfordert war. Die Vermarktung und Organisation von Puls-T war mir eine Nummer zu groß. Ich bin weder Labelboss, noch Finanzverwalter, kein Produzent und kein großer Macher. Ich bin nicht der, der in Zahlen und Verträgen aufgeht, sondern eben jener, dem das zutiefst zuwider ist, dem dabei der Schädel raucht, der Panikzustände bekommt. Trotzdem habe ich das auf mich genommen und eine Weile lang war es auch okay, denn immer hatte ich den Blick auf das Ziel, endlich wieder auf der geliebten Bühne präsent zu sein. Jedoch entfernte ich mich immer mehr von dem, was ich eigentlich wollte. Zu bunt, zu verrückt ist es in meinem Kopf, um in diesen Strukturen bestehen zu können. Ich habe es probiert, viele Jahre lang, aber ich bin daran nicht gewachsen, sondern mehrfach gescheitert. Ich muss mir eingestehen, dass dieses Metier meiner Natur widerspricht. Ich bin nunmal wie ich bin, möglicherweise ein Autor, Texter und, wenn man beide Augen zu drückt, vielleicht sogar ein Sänger. Ich bin ein Bekloppter, ich bin jemand, der mit den täglichen Anforderungen eines laufenden Geschäftes überfordert ist. Ich bin einfach kein Händler. Dafür gibt es kompetentere Menschen, und genau die sollten diesen Job erledigen. Mein Leben bestand in den letzten Jahren oft nur noch aus Krisenmanagement, gelebtem Irrsinn ohne einen Funken Freude, ohne den herzlichen Kontakt zu Menschen, den ich brauche. Innerhalb der Band erlebte ich die Momente tiefer Verbundenheit zu selten, obwohl diese Band in ihrer Art einmalig in der Lage ist, Stimmungen zu erzeugen. Aber die wenigen persönlichen Glücksmomente, die ich hatte und die sich auf den Proberaum und die Bühne beschränkten, waren einfach zu rar gesät, als dass sie den Aufwand und meine stetige Erschöpfung bis hin zur Selbstaufgabe gerechtfertigt hätten. Es ging letztendlich an meine persönliche Existenz und da fängt bekanntlich jeder an zu schwimmen, der nicht ersaufen will. Natürlich zieht der Schritt, auf eine Bremse zu treten, unterschiedlichste Reaktionen nach sich. Teilweise waren sie für mich verständlich, über manche habe ich mich geärgert. Vor allem darüber, dass jemand im Angesicht der Schwierigkeiten Puls-T als „Luftnummer“ bezeichnete. Wie kann man so bescheuerte Worte von sich geben, die eine Beleidigung für jeden kreativen Kopf, für jeden Musiker und Techniker, für jede helfende Hand, die in irgendeiner Weise mit dem Projekt zu tun hatte, sind? All diese Menschen können mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken. Puls-T war und ist alles andere als eine Luftnummer. Es gibt ein Album, das für mich sehr wertvoll ist, wir spielten ein Konzert vor begeistertem Publikum, das ich sicher nicht vergessen werde. Das ist jedem einzelnen Bandmitglied und allen, denen Puls-T etwas bedeutet, nicht mehr zu nehmen und verdammt viel für etwas, das neben den eigentlichen Leben der Protagonisten, deren Arbeiten und Aufgaben, entstanden ist. Das sind keine Luftnummern, sondern große Leistungen eines jeden Beteiligten, vor denen ich tiefen Respekt habe und für die ich danke! Vor ein paar Tagen träumte ich nachts einen Traum, in dem Thoralf die Gitarre in die Hand nimmt und wir einfach nur spielen, ohne viele Worte. Nur Musik machen, ohne dieses ganze Beiwerk, nur Gefühle aufleben lassen, ohne Ziel und ohne Plan, nur für den Moment. Das war ein sehr schöner Traum... Ich habe mir gewünscht, trotz all unserer Schwierigkeiten, diese Formation noch einmal auf der Bühne erleben zu dürfen. Ich bin immer noch der Meinung, dass der Aufwand und die lange Arbeit an diesem Projekt es verdient hätten, mehr als einmal aufgeführt zu werden. Es gibt Ideen, wie es mit Puls-T weitergehen könnte. Mein Rückzug von den geschäftlichen Aktivitäten muss nicht das Ende des Projektes sein. Möglicherweise wird es ein anderes Programm geben, vielleicht gibt es noch ganz andere Ideen. An Kreativität mangelt es der Band, die weiterhin zusammen bleiben will, sicher nicht. Ich wünsche ihr einen Manager, der das leisten kann, was ich nicht leisten konnte. Es fällt mir leicht, mich aus der Rolle des Verantwortlichen fürs Business zu verabschieden, aber es tut weh, dieses Projekt loszulassen, mit seinen großartigen Musikern und den vielseitigen musikalischen Möglichkeiten. Vor allem aber der Abschied von lieb gewonnenen Menschen ist sehr schmerzhaft. Wohin meine persönliche Reise geht, vermag ich nicht zu sagen. Ich weiß es im Moment nicht. Diese Niederlage muss ich erst einmal verkraften, den Zusammensturz eines Lebensentwurfs irgendwie verarbeiten. Nur eines weiß ich: Meine weiteren Jahre werden mir zu wertvoll sein, um mich Dingen auszusetzen, die mich krank machen. Brauche ich die Bühne noch? Mit dieser Frage werde ich mich in der nächsten Zeit beschäftigen. Ein Abschied von ihr ist möglich, im Moment sogar sehr wahrscheinlich, obwohl meine Sehnsucht nach den intensiven Augenblicken, die ich nur in der Musik erleben konnte, nach den Momenten auf der Bühne, immer noch groß ist. Was mir persönlich im Moment bleibt ist Muße, das Neu-orientieren, das Hoffen auf Kraft und die Arbeit an der Verbesserung meiner Lage. Ich wünsche allen in irgendeiner Form an Puls-T Beteiligten alles Gute und viel Glück auf ihrem Weg. Ich danke Euch, dem wundervollen Publikum der Konzerte, den Lesern meiner Bücher und natürlich meinen Freunden und meiner Familie, die mir in dieser Zeit Halt geben, den Menschen, welche die tiefen Schatten der Depression ein wenig aufhellen und die Leere in mir mit Leben füllen. Es gibt mehr für mich und dieses Mehr besteht in meinem Fall aus weniger. Vor Jahren schon habe ich es selbst gesungen, heute habe ich es kapiert. Wohlfühlen und in den Spiegel schauen zu können ist so viel mehr wert als sich selbst zu verbiegen und der Versuch, jemand zu sein, der man nicht ist... |







