| Gedanken zum ausgefallenen KC-Konzert in Kirchmöser |
| Donnerstag, den 30. Juli 2009 um 00:00 Uhr |
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Nun hatten sie ihn am Arsch, den guten Onkel Tobi. Da wollte er ein paar Bier ausschenken und ein wenig Kohle verdienen, so wie einst bei uns, als wir noch in der Kirchmöseraner „Stube“ Konzerte gaben und andere Kneiper sich weigerten, mit uns zusammen zu arbeiten. Und es waren damals fast die gleichen Medien, die unrecherchiert irgendwelche Scheißhausparolen übernahmen, Fauxpas als Naziband hinstellten und das Publikum als rechtsextrem betitelten. Naja, nicht ganz. Herr Griebel beispielsweise hat wohl noch für die Schülerzeitung geschrieben... Aber seine Wirkung verfehlte diese Hetze schon damals nicht, soll ich mich doch noch zehn Jahre später hin und wieder für irgendetwas rechtfertigen. Nun haben wir hier also einen schönen Tobi-Skandal, jemanden, den wir mit Dreck bewerfen können. Kümmert sich eigentlich noch einer um Autohausgeschäftsführer Stefan M., der, zumindest laut Medienberichten, mit seinem Bundessterbeanzeiger auf weitaus widerlichere Art Geld verdienen wollte? Mag ja sein, dass er sich der gute Tobi ein wenig vertan hat, rein ethisch. Denn Bands, die Prügeleien heroisieren, finde ich mittlerweile auch nicht mehr so klasse. Wo ist eigentlich der rechtsradikale Ansatz bei dieser Band zu sehen? Wir haben einst mit eben diesen Kategorie C im Ruhrgebiet zusammen auf einem Konzert gespielt, auf einer Hooliganparty, die beim Bandidos MC stattfand und ich habe weder derartige Parolen gehört, noch massenhaft Anzeichen gesehen, die in diese Richtung gehen. Sicher, es gab zwar das ein oder andere zweifelhafte T-Shirt, aber ich hatte den Eindruck, dass es dort nicht um Politik, sondern eher ums Saufen, Tanzen, Feiern ging, ähnlich unserer gelobten Himmelfahrtspartys, wo gar nicht genug Bilder irgendwelcher Trunkenbolde danach durch die Gazetten geistern können.
Sind es aber wirklich die verwirrten Jungens, die ihre Gesinnung offen zur Schau tragen, die unsere Demokratie ins Wanken bringen, oder ist es der „etablierte“ Brandenburger Geschäftsmann, der mir letztens mitteilte, dass er seinen Hund „auf Neger abrichten“ wolle, sich aber schnittchenfressend auf Empfängen mit Prominenz aus Politik und Wirtschaft sonnt? Beim Kategorie C - Konzert in Essen vor einigen Jahren hatte ich das Gefühl, dass es sich bei vielen Anwesenden eher um kleine Kinder handelte, die eigentlich ein wenig Zuwendung brauchten, statt etwas auf die Fresse. Sicher, in der Masse können diese verwirrten Kinder eine explosive Mischung bilden, egal ob Rocker, Hooligans oder dort anwesende Prostituierte, die sich ihre Arbeitslosenhilfe ein wenig auffrischten. Fragen wir uns denn eigentlich, was die in ihren Leben nicht ertragen können, so dass sie sich entscheiden, diesen Weg gehen? Was macht das Leben so unerträglich, dass dort hunderte Gramm von Kokain durch die Nasen wandern? Ich kenne die Akte von Kategorie C-Sänger Ostendorf nicht. Sicher macht es ihn erst einmal nicht gerade sympathisch, wenn er wirklich an einem Brandanschlag beteiligt gewesen war. Was sagt das aber über die gesamte Band aus? Was ist ihre Botschaft? Sicher keine rechtsradikale, denn die ist in den mir bekannten Texten für mich nicht ersichtlich. Wir reden hier von einer Hooliganband. Sicher finde auch ich prügelnde Hooligan-Horden nicht toll. Schon gar nicht, weil ich mich selbst vor über zwanzig Jahren ständig unter ihnen befand, was deutliche Spuren hinterlassen hat. Damals nannte man sie allerdings noch Fußballrowdys und da haben sogar Leute mitgeprügelt, die heute eine Polizeiuniform tragen.
Ab wann ist aber Vergangenheit abgeschlossen und dürfen wir überhaupt die Chance haben, uns weiterzuentwickeln, ohne, dass uns die Vergangenheit immer wieder vorgehalten wird? Mit Schuld lebt es sich nicht wirklich gut. Sicher denkt nicht jeder über sein Leben nach und viele hängen in der Vergangenheit fest. Manche Menschen bekommen immer noch ein schlechtes Gefühl, wenn sie einen „Böhse Onkelz“-Aufkleber auf einem Auto sehen. Ich bekomme es, wenn ein Auto mit dem Namen Polizei verziert ist. So unterschiedliche Erfahrungen können wir nun einmal gemacht haben. Trotzdem sehe ich nicht mehr jeden Polizisten als potentiellen Feind. Das wird er erst, wenn er für die Obrigkeit prügelt... Macht man Gewalt eigentlich immer an „rechts“ fest? Kann man überhaupt so pauschalisieren? Ich denke, Gewalt ist „parteiübergreifend“.Im „Fall Tobi“ wird von Parteivertretern Zeter und Mordio geschrien, deren Spitzen Kriege befürworten, die an unserem eigenen, immer menschenfeindlicher werdenden System festhalten, von Lobbyisten, bei denen ich nicht wirklich das Gefühl habe, dass es bei ihren Handlungen um das Wohl der Menschen geht, zu denen übrigens auch die Hools gehören. Gewalt ist nun einmal Teil unserer Gesellschaft und sie wird es bleiben, so lange wir unseren zweifelhaften Werten hinterher rennen. Diese ganzen kleinen Trickser und Taschenfüller, die anderen die Luft zum Atmen nehmen, schwingen natürlich die größte Moralkeule. Und das ist ein Punkt, wo ich Gewalt durchaus nachvollziehen kann, obwohl die sich meistens gegen die richtet, die in der selben Scheiße sitzen. Nicht falsch verstehen: Ich befürworte sicher keine Gewalt!
Warum nutzen wir eigentlich nicht die Medien, um Menschen zu bilden, um ihnen zu zeigen, wie man Konflikte gewaltfrei löst, wie man in dieser immer komplizierter werdenden Welt, in der die meisten Menschen gnadenlos überfordert sind, zurecht kommt? Damit lässt sich natürlich keine Kasse machen und Geld scheint ja das höchste Gut auf Erden zu sein. Warum arbeiten wir nicht an unseren Konflikten, von denen viele erst gar nicht entstehen müssten, wenn wir unseren Horizont ein wenig erweitert hätten? Solange unsere politische Führung uns aber weismacht, Konflikte mit Gewalt lösen zu können, muss ich mich nicht wundern, dass jedes verwirrte Kind es ihnen gleich tut. Aber das alles scheint keine Rolle zu spielen, denn nun haben wir ja Tobi, auf den wir einschlagen können! Wenn wir allerdings einmal in der Stadt Brandenburg aufrollen würden, wer schon an wirklich rechtsradikalen Konzerten verdient hat, dürfte manch einer ins Schwitzen kommen, selbst über Jahre etablierte Unternehmer...
Ich glaube, wir würden in einer besseren Welt leben, wenn wir aufhören könnten, andere an den Pranger zu stellen und dafür ein wenig bei uns bleiben und schauen, was wir selbst eigentlich tun, um in einer lebenswerteren Zeit zu existieren. Solange es uns zu anstrengend ist, nach den Ursachen unseres Handelns zu sehen, werden wir in dieser Welt leben müssen. Und zu der gehören Gewalt und auch Hooligans der Kategorie C... |







