Home Bibliothek Tagebuch Eine unvergessliche Nacht...
Eine unvergessliche Nacht...
Donnerstag, den 09. Dezember 2010 um 11:42 Uhr

Ich weiß noch immer nicht, ob es jetzt an der Zeit ist, etwas über meine Eindrücke des ersten Puls-T Konzertes zu schreiben. Fast zwei Wochen lang habe ich nicht einmal versucht, Erlebtes in Worte zu kleiden, was mir so bisher selten, vielleicht sogar noch nie, geschehen ist. Ich versuche, hier mal einige meiner Gedanken wiederzugeben, die immer wieder neue Gefühlswallungen auslösen. Mitten in den Vorbereitungen des Konzertes ereilte mich eine bekannte Größe. Ein paar Wochen vor dem Konzert kam der Einbruch. Selbstzweifel, finanzielle Nöte,  extreme Spannungssituationen ließen mich auf Notbetrieb schalten. Wieder einmal meldeten sich Krankheit und Schwäche.

Labelgründung, Veröffentlichung des Albums und Organisation unserer Live-Premiere, nebenher die immer wieder schwerwiegende Frage nach der Finanzierbarkeit des Ganzen - es wurde einfach zu viel, trotz der tollen Leute und guten Crew um mich herum. Nur eines war im kompletten Wirrwarr der Emotionen klar: Dieses Konzert muss stattfinden! Egal wie! Wenn ich das nun versauen würde, sah ich die Chance vertan, jemals wieder auf die Bühne zurück zu kehren. Nein, Schluss mit den Fluchten, die ohnehin nur ein Aufschub wären! Ich weiß doch, dass ich ohne die Bühne vielleicht überleben, aber nicht leben kann. Sollten also diese vier Jahre umsonst gewesen sein? Der Traum, der diesmal nicht nur meiner ist? Hier geht es nicht nur um mich, sondern um eine ganze Band, eine traumhafte Band. 
 
Die CD-Produktion wurde also gestoppt. Sie war ohnehin kaum mehr zu realisieren, ohne auf Notlösungen zurückgreifen zu müssen. Langsam erholte ich mich wieder und zwei Tage vor dem Konzert dann ging es mir für meine Verhältnisse fast blendend. Ich war fasziniert von dem, was da geschah, was schon eine Eigendynamik angenommen hatte. Es war wohl ohnehin zu spät, jetzt einfach wieder sämtliche Flyer einzusammeln und Plakate abzuhängen und so zu tun, als wäre nichts geschehen. Trotzdem packte mich eine gewisse Ehrfurcht vor der ganzen Geschichte, Waren wirklich wir es, die das angezettelt hatten? Am Donnerstag wurde klar, dass es nur noch wenige Karten an der Abendkasse geben würde. Nun also mussten wir die Erwartungen der Menschen, die in dieses Konzert kommen sollten, also noch bedienen. Jeder einzelne von uns ging mit der Anspannung und Nervosität anders um. Das reichte von (gespielter) Obercoolness bis zum unkontrollierten Wasserlassen und der fortwährenden Frage, ob man das alles wirklich will. Ein Blick durch das Guckloch zeigte schon bei Christian Trautmann in unserem Vorprogramm einen vollen Saal. Scheiße nein, ich traue mich da nicht raus. Aber was soll ich tun? Diese Leute, die uns in dieser Formation so noch nicht kannten, mussten wir schließlich erst noch überzeugen. Wie sicher war doch da ein Gang auf die Bühne mit Fauxpas. Oder rede ich mir das nur ein?
 
Kurz vor dem Beginn fiel uns ein Kameramann aus, weshalb wir Ronny, einem unserer besten Freunde, so ein Ding in die Hand drückten. Der kam dann eine Viertelstunde vor dem Gig in den Backstage-Bereich, mit den Worten: „Ich weiß ja nicht, ob ich nachher noch dazu komme“, nahm jeden von uns in den Arm und knuddelte uns. Gott, was tat das gut, was gab das für eine Kraft! Wie waren hier nicht allein. Und dann der unweigerliche Gang auf die Bühne. Mitten durch das Publikum, im Dunkeln bei mystischen Klängen. Unsere Crew leistete ganze Arbeit, die passende Atmosphäre herzustellen. Der Körper schaltet auf Notbetrieb, der Kopf sowieso. Nur noch irgendwie funktionieren!
Das Intro und ich stehe am Bühnenrand. Es läuft, unaufhaltsam. Göran und Gunnar hämmern unaufhörlich, die Frauen strahlen ins Publikum. Mehr kann ich nicht sehen. Ist das Mikro wirklich an? Jetzt muss ich die Schritte wagen. Es gibt kein Zurück! Der Beifall nach dem ersten Song ist dann wie eine Wand, in die ich hinein gehen möchte. Ein befreiender Schrei, ein Blick zu Thoralf. „Mann habe ich das vermisst...“ raune ich ihm zu und das Publikum scheint es gehört zu gaben. Von Song zu Song stellt sich Sicherheit, ja sogar Vertrautheit ein. Ich bin wieder da! Wir sind wieder da! Jeder einzelne von uns. Zum Schluss gibt es so intensiven Beifall, dass ich es kaum fassen kann. Noch nie war ich so überzeugt von etwas, das ich tat, aber dass es hier auf so viel Gegenliebe stoßen würde, davon habe ich nur im Geheimen geträumt und sehr wenigen vertrauten Menschen erzählt. Kenne ich nun endlich das Gefühl eines sich erfüllenden Traumes?
 
Scheinbar haben wir hier überzeugt. Womit haben wir das nur verdient? Wir stellten ein Stück Lebensgeschichte dar, unsere „Macken“, uns selbst... Ist das Beifall wert? Scheinbar... Scheinbar sind diesem Publikum diese Dinge nicht fremd, dieses Publikum, welches ich jetzt einfach frecherweise schonmal „unser“ Publikum nenne. Es war ein wundervolles Publikum und ich möchte nicht aufhören, meinerseits ihm zu applaudieren. Ich zehre von diesem Applaus und kann es nicht fassen, dass er uns galt. Nie wieder möchte das ich vermissen müssen. Ich hatte das Gefühl, mit dem Publikum gemeinsam auf der Reise gewesen sein, mit ein paar Hundert Menschen auf dem Weg zu unseren Emotionen. Etwas Größeres hätte ich mir an diesem Abend nicht vorstellen können. Ich erlebte eines meiner schönsten Konzerte, einen meiner besten Tage und habe selten so viele Gefühle gespürt. Plötzlich war jedes einzelne Bandmitglied ganz bei sich selbst. Erst dadurch traten wir in wirklichen Kontakt zueinander. Sämtliche Fassaden sind gefallen und ich habe mich diesen Menschen in der Gesamtheit nie so nahe gefühlt. Wir waren eins, das Publikum, die Band, unsere großartige Crew. Menschen, denen ich vor Wochen noch mit extremer Anspannung begegnet bin, wollte ich einfach nur noch umarmen. Und ich habe es getan. Ausgiebig, eine ganze Nacht lang, manche noch Tage später, bis heute. Könnte es doch nie vorbei gehen... Ich danke allen an diesem Abend anwesenden wunderbaren Menschen für ein unvergessliches Erlebnis, für unglaubliche Emotionen und die daraus entstandene Kraft. In meinem Kopf arbeiten neue Songs. Ich muss mich mal dringend mit Thoralf im Arbeitszimmer treffen. Ach ja, und dann müssen wir die anderen Lieder ja auch noch veröffentlichen...
 

Bücher

Toddes TageGeschWhiskey

 

Newsletter




Shops

Tonträger  Bücher

Shop

amazon

Termine

Keine aktuellen Veranstaltungen.

Netzwerke

MySpaceYouTubeFacebook